Das Fleischwerk EDEKA Nord positioniert Gutfleisch gut 25 Jahre nach Einführung neu. Eine überarbeitete Produktionskette soll dafür sorgen, dass die EDEKA-eigene Marke auch künftig einen guten Ruf in Norddeutschland hat. Bei Schweinefleisch setzt das Gutfleisch-Programm komplett auf Regionalität. Dafür braucht das Fleischwerk engagierte Landwirte. Eine durchaus interessante Möglichkeit, gerade wenn ein kleinerer Betrieb gezielt wachsen möchte.

Bewährte Fleischmarke mit neuem Standard: EDEKA Nord zieht die Bedingungen für Gutfleisch an.

30.03.2015 12:20

Das Fleischwerk EDEKA Nord positioniert Gutfleisch gut 25 Jahre nach Einführung neu.

Eine überarbeitete Produktionskette soll dafür sorgen, dass die EDEKA-eigene Marke auch künftig einen guten Ruf in Norddeutschland hat. Bei Schweinefleisch setzt das Gutfleisch-Programm komplett auf Regionalität. Dafür braucht das Fleischwerk engagierte Landwirte. Eine durchaus interessante Möglichkeit, gerade wenn ein kleinerer Betrieb gezielt wachsen möchte.

Nach heftiger Kritik an der erfolgreichen Marke im vergangenen Sommer machte die Geschäftsführung des Fleischwerks einen entschlossenen Schritt nach vorn. EDEKA Nord waren vom NDR fehlerhafte Warenkennzeichnung im Einzelhandel, Tierhaltungsverstöße in einzelnen Betrieben und falsche Werbeversprechen vorgeworfen worden. Die Liste der Sofortmaßnahmen war umfangreich und konsequent: Sowohl die Situation in den Supermärkten als auch auf den landwirtschaftlichen Betriebe wurde überprüft. Die Kennzeichnungen und alle Sicherungs- und Überprüfungsschritte auf dem Weg zur Marke wurden genau kontrolliert und überarbeitet. In der Folge wurde das Sortiment angepasst. Neue und strengere Gutfleisch-Kriterien kennzeichnen nun den Anfang einer neuen Ära.

Dem Geschäftsführer der Fleischwerk EDEKA Nord GmbH, Stephan Weber, sind messbare Kriterien besonders wichtig. Mehr Platz für die Tiere, eine verbesserte Fütterung und Maßnahmen zur Tiergesundheit sollen objektiv überprüfbar sein. Über allen Prozessen steht die völlige Transparenz. „Darum gibt es Messgeräte und klare Zahlenvorgaben, die jeder einsehen kann. Wir überprüfen in Zulieferbetrieben regelmäßig und auch unangekündigt, ob die Gutfleisch-Kriterien eingehalten werden.“

Anders als vorher nur die Landwirtschafts Consulting GmbH (LC) sind jetzt ingesamt drei unterschiedliche Institute für die Überprüfungen zuständig: die LC, das SGS (SGS Germany GmbH, Consumer Testing Service) und die IFTA AG ((Institut für Tiergesundheit und Agrarökologie). Der Prüfrhythmus rotiert zwischen den Instituten und wird ergänzt durch zwei Tierschutzbeauftragte des Fleischwerks. So sollen Unabhängigkeit und Objektivität gewahrt bleiben. Insgesamt wird die Kontrollintensität in der Landwirtschaft deutlich erhöht.

 

 „Wir bekennen uns zur Region.“

 

Lieferregion EDEKA Nord

 

 

Bisher galt für die Schweinefleischprodukte von Gutfleisch, dass Geburt, Aufzucht , Mast und Schlachtung der Tiere in Deutschland stattfindet. Jetzt geht EDEKA Nord noch einen Schritt weiter: Künftig sind nur noch Landwirte und Schlachthöfe aus der Region Nord für das Gutfleisch-Programm zugelassen. Diese Region ist das Absatzgebiet der norddeutschen Regionalgesellschaft der EDEKA. Nur hier wird Gutfleisch vom Fleischwerk-Standort in Lüttow-Valluhn/Mecklenburg-Vorpommern in die EDEKA- und Marktkauf-Läden ausgeliefert.

Die klare Entscheidung für Norddeutschland ist konsequent, zunächst vielleicht nicht ganz einfach umzusetzen, verspricht aber Wachstumspotential, sagt Weber: „Wir könnten Schweinefleisch günstiger kaufen, aber wir bekennen uns zur Region. Wir wollen kurze Wege und Lieferanten vor Ort, zu denen wir direkten Kontakt haben. Darum engagieren wir uns nicht nur in der Initiative Tierwohl, sondern investieren auch in unser eigenes Programm.“

1,7 Mio Euro wird das Fleischwerk in den Tierwohl-Fonds einbringen, noch einmal 1,3 Mio fließen in das Gutfleisch-Programm. Dazu kommen rund 2 Mio interne Investitionen, die durch zusätzliches Personal, veränderte Produktionsabläufe, Schulungen und neue Monitoringstruktur entstehen. Forschungsprogramme laufen zur Zeit in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bonn und Kiel, dem Leibniz-Institut für Nutzierbiologie in Dummerstorf. Weitere Projekte sind in Planung.

 

Kurze Wege beim Tiertransport

3 Cent pro Kilogramm will EDEKA Nord den Lieferanten für Gutfleisch künftig zum Schlachthofpreis dazuzahlen – unabhängig davon, ob die gelieferten Tiere tatsächlich für die Gutfleisch-Produktion verwendet werden. Die Landwirte müssen sich zuvor für das Programm qualifizieren und vorgegebene Richtlinien erfüllen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich in die Produktionsdaten schauen zu lassen. Über eine gemeinsame Datenbank von Betrieben, Bündler, Schlachtbetrieb und dem Fleischwerk kann jederzeit jeder einzelne Schritt vom Stall bis zur Verarbeitung nachvollzogen werden.

Gleichzeitig wird es eine Kommunikationsplattform geben, über die Landwirtschaft und Handel miteinander in Kontakt treten können. Ziel ist größtmögliche Transparenz, so dass letztlich jedes verkaufte Frischfleisch-Teilstück und jeder Prozessschritt bis zum Erzeugerbetrieb zurückverfolgt werden kann. Damit stellt sich EDEKA Nord einer großen organisatorischen Herausforderung. Die liegt sowohl auf der Seite der Landwirtschaft, als auch am anderen Ende der Kette, beim Handel. Denn die EDEKA-Einzelhändler arbeiten selbstständig und eigenverantwortlich. Intensive Schulungen und geeignetes Informationsmaterial sollen dafür sorgen, dass Produkte der Marke Gutfleisch in den Läden entsprechend ausgezeichnet und beworben werden.

Dass sich viele Landwirte vom Gutfleisch-Programm überzeugen lassen, hofft der geschäftsführende Vorstand der ZNVG, Achim Münster. Die ZNVG ist langjähriger Partner der EDEKA. „Es wird immer wichtiger, dass wir kurze Wege zu den Schlachtstätten haben. Viele Landwirte möchten sich nicht am Schweinetourismus beteiligen, sie möchten tierfreundlich arbeiten. Das wirkt sich auch positiv auf die Qualität aus. Dazu möchten viele keine anonyme Ware liefern, sie möchten gern erkennbar sein und ihre erfolgreiche Arbeit zeigen.“

Das bestätigt auch Landwirt Hans-Hendrik Appel aus Eichede im Kreis Stormarn. In seinem Schweinemastbetrieb hat er 1100 Mastplätze und 90 ha Acker für Weizen, Gerste und Raps zur Vermarktung: „Der Druck ist natürlich da, wenn man täglich kontrolliert werden kann. Ich finde es jedoch positiv, wenn mehr kontrolliert wird. Bisher sind wir gut durch jede Kontrolle gekommen. Mir gefällt es auch, wenn jeder Landwirt beim Fleischverkauf genannt wird. Für unseren vergleichsweise kleinen Betrieb ist die Teilnahme eine Chance für innerbetriebliches Wachstum.“

Stephan Weber sieht in der Initiative eine wichtige Möglichkeit, die Kompetenz für die Tierproduktion weiterzuentwickeln und zu sichern „So halten wir die Produktion in der Region und wissen, dass ein gesundes Tier in die Schlachtung kommt. Wir haben dann bei wettbewerbsgerechtem Preis das bessere Fleisch.“

 

Erst die Investition, dann der Gewinn

Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Gutfleisch-Programm ist die Anmeldung der Landwirte für die Initiative Tierwohl. Bis Ende 2015 müssen die Tierwohl-Kriterien auf den Betrieben umgesetzt worden sein. Darüber hinaus verpflichten sich die Landwirte weitergehende Gutfleisch-Kriterien zu erfüllen. Während man sich bei der Initiative Tierwohl entscheiden muss, ob die Schweine 10 % mehr Platz pro Tier bekommen als gesetzlich vorgeschrieben oder ständigen Raufutterzugang haben, soll es für Gutfleisch beides sein. Wobei die EDEKA Nord hier eine machbare Alternative eröffnet: Es ist auch möglich, statt des Raufutters 3,5 % Rohfaser in der Futtermittelration zu geben. Das ist praxisnäher, sagt Landwirt Appel: „Ich habe das mit den Rauhfuttergaben einmal probiert. Das würde bei mir die ganze Gülle zum Erliegen bringen. Das wäre ein immenser Mehraufwand. Dann bräuchte ich noch eine neue Kraft. Stattdessen werde ich Materialien wie Spielholz anbringen.“

Vorgaben wie Beschäftigungsmöglichkeiten, definierte Krankenbuchten, Gesundheitsmanagement und eine stressresistente Genetik sind weitere Punkte, die noch über den Tierwohl-Standard hinausgehen. Wer vor den nötigen Investitionen zurückschreckt, sollte jetzt schon an die Zukunft denken, sagt Achim Münster: „In der Branche sind sich alle einig: In spätestens drei Jahren ist das generell Standard. Das war auch bei QS so. Diesen neuen Standard sollten wir vorgeben, nicht die Politik. Denn wir wissen aus der Praxis, wovon wir reden – anders als viele Politiker.“

Die Tierwohl-Förderung soll die Kosten für die Umrüstung der Betriebe zumindest abfedern. Pro Jahr und zugelassenem Hof erhalten die Landwirte 500,- Euro Grundprämie. Der weitere Zuschuss richtet sich nach der Anzahl der Tiere sowie den erfüllten und zertifizierten Kriterien. Pro zugelassenem Tier können Beträge zwischen mindestens 3,- und höchstens 9,- Euro abgerufen werden. Die Anmeldefrist für die Förderung endet am 30. April. Der Fördertopf beträgt 65 Mio Euro, die Plätze sind begrenzt. Gegebenenfalls gibt es ein Auswahlverfahren oder eine Warteliste.

Natürlich muss Appel wie jeder Landwirt rechnen und abwägen, bevor er eine derartige Investition tätigt – besonders im Hinblick auf die Mehrauflagen beim Gutfleisch-Programm. Doch das sei insbesondere bei seinen neuen Ställen kein Problem, meint er: „Schwierig ist sowas bei umgenutzten Anlagen, wegen der Fenster und Buchtenstrukturen. Zwei Drittel meines Betriebs könnten bereits jetzt problemlos sowohl an Tierwohl als auch dem neuen Gutfleisch-Programm teilnehmen. In den Buchten ist ausreichend Platz, sie sind häufig mit Schalentränken ausgestattet.“Das Saufen aus der offenen Fläche ist ein mögliches Wahlkriterium für die Förderung aus dem Tierwohl-Programm.

Die zusätzliche Prämie von Gutfleisch pro Kilo geliefertes Schwein findet Appel interessant. Durch die geregelte Lieferstruktur und zuverlässige Abholung geht er davon aus, dass sich das Prinzip für ihn rentiert. Genau wie Weber und Münster denkt der Landwirt, dass die gesetzlichen Bestimmungen schon in wenigen Jahren anziehen werden. „Wenn ich jetzt bei Tierwohl einsteige, ist die Investition in 3 Jahren abgedeckt. So bin ich schon vorbereitet, um auch in Zukunft Schweinemast betreiben zu können. Natürlich muss man sich das genau überlegen. Aber man darf die Zulagen  nicht vergessen. Die gibt es jetzt und nicht wieder, also heißt es jetzt oder gar nicht. Sonst ist es zu spät.“

 

Wir vom Fleischwerk EDEKA Nord freuen uns auf Landwirtinnen und Landwirte, die sich für das neue Gutfleisch-Programm interessieren. Wenn Sie Fragen oder auch Anregungen haben, wenden Sie sich gern an uns. Auch wenn Sie bisher noch nicht für das Gutfleisch-Programm liefern, heißen wir Sie herzlich willkommen. Im Gespräch können wir gern gemeinsam besprechen, wie Sie in Ihrem Betrieb die Neuerungen umsetzen und Lieferant werden können. Wir unterstützen Sie dabei gern.

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